Wenn jetzt im Frühling das Wetter ab und zu seine italienischen Formen annimmt, das heisst, wenn die Temperaturen deutlich über 15 Grad liegen, die Straßen trocken sind und kein Wölkchen am Himmel plötzliche Regenschauer anzukündigen gedenkt, dann wird es auch Zeit die Ape aus ihrem Winterschlaf zu wecken.
Der Einstieg in die Fahrerkabine lässt schon erahnen, dass hier an allem gespart wurde, was irgendwie ablenken könnte: Konzentration oder auch Reduktion auf das Wesentliche, so heisst das Motto bei Piaggio.

Radio, Klimaanlage, verstellbare Einzelsitze, Kopfstützen, Airbags, Knautschzonen – seitlich oder vorn, all das gibt es nicht. Wozu auch ? Schliesslich wurde die Ape vor gut 60 Jahren als Lastenesel konzipiert und dieses Attribut trägt sie heute noch mit Stolz.
Die schaumstoffgepolsterte Kunstledersitzbank bietet maximal für zwei Personen Platz, ein mittig angeordneter Tacho und einige Kontrolllämpchen genügen, um den Informationsdurst des Fahrers zu stillen.
Die Fenster lassen sich mittels vertikalem Schieberegler in den Türinnenseiten öffnen und schliessen. Auf der Fahrerseite findet sch sogar ein kleines Ablagefach, indem das Fensterleder zwingend untergebracht werden sollte, denn die Ape neigt gern zum Schwitzen und Beschlagen der Front- und Seitenscheiben.
Das kleine Kunststoff-Lenkrad stammt sicherlich aus der Fiat-Familie der 70er Jahre und wird im Sommer arg heiss. Das Zündschloss auf der linken Seite der Lensäule erinnert ein wenig an die Aufteilung beim Porsche.
Sonst finden sich wenig Gemeinsamkeiten mit dem Objekt aus Zuffenhausen. Der Aufmerksamkeits-Faktor der Ape ist jedoch weitaus grösser … und die Sympathien fliegen der Ape von allein zu, alles andere muss hart erkämpft werden.
Beim Starten des kalten Motors kommt in jedem Fall der Choke-Hebel zur Anwendung, denn schliesslich braucht der kleine Zweitakter ein wenig Zeit, um sich aufzuwärmen und einigermaßen rund zu laufen.

Charmant und charismatisch kommt sie dann daher … und mit der Ape fahren heisst somit auch eher “in der Landschaft fahren” oder “eins sein mit der Umgebung”.
Die leicht vorgebeugte Sitzhaltung in der Kabine verhindert Kopfschmerzen beim Überfahren von Bodenwellen und entlastet die Wirbelsäule, vor allem auch wenn man etwas grösser gewachsen ist. Ausserdem schaut man so nicht gegen die Sonnenblende, sondern – wie allgemein üblich – durch die Frontscheibe.
Beschleunigungsorgien bleiben aus, denn mit ihren 10 PS erreicht die Ape erst nach einer Gedenkminute die maximale Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h, nicht immer, nur falls die Umstände es zulassen.
Vorausschauendes Fahren und Mitdenken sind gefragt, denn beim Bremsen verzögert sie dank ihrer Trommelbremsen doch eher recht zaghaft und auch das Kurvenfahren auf 3 Rädern will gelernt sein.
Und trotz alledem lieben wir unsere traditionsWerk-Ape, weil sich mit ihr auch die Welt ein wenig langsamer dreht, jedenfalls für uns.
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